Als Ansata Halim Shah (Ansata Ibn Halima x Ansata Rosetta) im Alter von
drei Jahren nach Deutschland kam, hatte er erste Schaumeriten erworben, doch
er polarisierte die Züchter zunächst wie kein zweiter. Die einen wussten mit
diesem ultra-feinen, fast femininen jungen Hengst nichts anzufangen. Ungeachtet
seiner hervorragenden Abstammung fragten sie sich: "Was soll uns dieser Hengst
für unsere Zucht bringen?" Die anderen reizte gerade dieses "andere", "neue"
Aussehen; sie empfanden es als exotisch. Sie sahen auch weitere Pluspunkte,
nämlich eine hervorragende Oberlinie und Kruppe, zu jener Zeit nicht allzu verbreitete
Merkmale in der deutschen Ägypterzucht.
Ansata Halim Shah deckte in Europa 23 ausgewählte Vollblutaraberstuten. Die
Zahl war streng von seiner Züchterin Judith Forbis limitiert, denn alles was
im Überfluss existiert, verliert seinen Wert. Diesem Grundsatz folgte sie und
das Konzept ging auf: Ansata Halim Shah wurde zum Markenartikel. Seine Fohlen
hatten das "besondere Etwas". Nach zweijährigem Deckeinsatz in Deutschland hinterließ
Ansata Halim Shah neun gekörte Söhne, davon einen Jahrgangssieger und einen
Gesamtsieger.
Maysoun, aus der Zucht von Karin und Günter Maiworm, rückte
als einer der ersten Halim Shah-Söhne in den Fokus des Interesses. Bereits als
Zweijähriger gewann er die Körung, hinzu kommen bis heute zahlreiche nationale
und internationale Championatstitel. Über Jahre hinweg führte Maysoun die deutschen
Decklisten an und ist bis heute ein gefragter Deckhengst. Nur wenige Beschäler
haben, wie Maysoun, in den vergangenen zehn Jahren immer wieder prämierte Söhne
gestellt. Maysoun brachte acht mit „Gold“ prämierte Söhne, ein weiterer wurde
mit „Silber“ ausgezeichnet.
Von seinen Nachkommen ragt sein Erstgeborener Orashaan (a.d.
Orasha von Malik) besonders heraus. Einerseits stand er viele Jahre im Schatten
des Vaters, andererseits erreichte er auf jeder Schau, an der er teilnahm, höchste
Noten und Platzierungen. So gewann er u.a. das Reserve-National-Championat in
Aachen 1994 und wurde 1996 sogar Nationaler Senioren-Champion. Züchterisch stand
er immer im Schatten seines Vaters. Bis ihn Emrys und Sue Jones für ihr Gestüt
in England pachten konnten. Zuvor hatten sie Maysoun nach England geholt und
waren hochzufrieden mit den Fohlen. Orashaan stand ihm in nichts nach und bewährte
sich auf Stuten aus unter-schiedlichen Blutlinien. Herausragendes Produkt von
Orashaans Englandaufenthalt ist Ora El Masri (a.d. Allanda), seines Zeichens
„British Junior Reserve Male Champion“ 2002 sowie 5-facher Junioren-Champion
im Jahr 2002.
Aus der Zucht des El Thayeba Gestütes stammen zwei Halim Shah-Söhne, die den
Titel eines „Elitehengstes“ erhielten. El Thay Ibn Halim Shah
(a.d. Elitestute Mahameh) gewann mehr als einmal dank seines Typs und seiner
Bewegungen auf Schauen. 1990 wurde er „Asil Cup Champion Hengste“, außerdem
gewann er zweimal das Nationale- Reserve-Senioren-Championat. Seine Leistungsfähigkeit
bewies er unter dem Rennsattel, noch dazu unter erschwerten Bedingungen, denn
neben den Trainingseinheiten musste er weiterhin Stuten decken, die im heimatlichen
Gestüt auf ihn warteten. In der Vollblutzucht wäre das undenkbar. Viel zu früh,
bereits 1996, starb El Thay Ibn Halim Shah an den Folgen eines Transportunfalls.
Bis dahin zeugte er rund sechzig Fohlen.
Sein auf Schauen erfolgreichster Sohn ist unzweifelhaft El Thay Shah Mabrouk
(a.d. ET Maheera), der sowohl den Asil Cup 1997 in Baden-Baden gewann als auch
das European Egyptian Event auf der Kauber Platte als „Ägypter des Jahres“ verließ.
Aus den Probesprüngen stammt die Stute El Thay Mabrouka, eine Vollschwester
zu El Thay Shah Mabrouk. Sie gewann als junge Stute mehrere Championate. Zu
El Thay Ibn Halim Shahs schönsten Töchtern zählt Barasha El Naarah (a.d. Al
Basra), Züchter Dr. Helmut Freimüller. Eine hochelegante, extrem feminine Stute
mit sehr guten Bewegungen. Ihre Qualitäten überzeugten die Richter in Neustadt/Dosse,
die ihr im Jahr 2000 den Titel einer Nationalen-Senioren-Championesse verliehen.
Im selben Jahr wurde sie Siegerin des Asil World Cups in Hannover.
Ebenfalls aus der Zucht von Dr.Tauschke stammt El Thay Mansour
(a.d. ET Maheera). 1993 war er Reserve-Senioren-Champion des Asil Cups. 1994
wurde er „Ägypter des Jahres“ beim Egyptian Event Europe und beim All Nations
Cup in Aachen konnte er sich im selben Jahr als einziges deutsches Pferd im
Championat behaupten – das Reserve-Senioren-Championat fiel an ihn. 1995 verließ
er Deutschland. Graf Zichy-Thyssen kaufte ihn für sein Gestüt in Argentinien.
Dort bewährte sich El Thay Mansour auch auf langen Distanzen. Mittlerweile wechselte
er erneut Besitzer und Kontinent, El Thay Mansour steht seit dem letzten Jahr
in Jordanien. In Deutschland wurde sein Sohn El Thay Khemal Pasha (a.d. Kamla
II) Gesamtsieger der Verbandshengstschau in Vechta 1994. Die Vollschwester dazu,
El Thay Bint Kamla, brachte den Sieger der Verbandshengstschau im Herbst 1997,
El Thay Mashour (v. Madkour I).
Last but not least feierte Salaa El Dine (Ansata Halim
Shah x Hanan v. Alaa el Din) in den letzten Jahren als Vererber Triumphe. Auf
Schauerfolge kann er, mangels Teilnahme, nicht zurückblicken, eine HLP legte
er nicht ab, gilt aber unter seinen regelmäßigen Reiterinnen des Gestüts Katharinenhof
als leistungsbereites, gangfreudiges Pferd. Wodurch Salaa El Dine das Prädikat
„Elitehengst“ verdiente? Selbstverständlich durch seine Vererberleistung. Salaa
El Dines Nachkommen – Hengste wie Stuten – sind überall auf der Welt erfolgreich,
von Israel bis Qatar.
Sein Sohn Crusader wurde beim Salon du Cheval in Paris Reserve-Welt-Champion.
Crusader bewährte sich allerdings nicht alleine in Schönheitskonkurrenzen, sondern
ebenso bei Galopprennen. Mittlerweile steht er im Gestüt des Herrschers von
Sharjah, UAE. Salaa El Dines Sohn Adnan (a.d. Ghazalah) wurde auf der Verbandshengstschau
in Deutschland mit einer goldenen Schleife ausgezeichnet. Seine Fohlen sind
nicht nur aufgrund ihres schönen Typs, sondern auch wegen ihres sanften Charakters
begehrt. Für Furore sorgte weiterhin Fay Sabun (a.d. Ansata Aya Jamila), ein
ganggewaltiger Schimmel, der sich zahlreiche Championate ertrabte.
Bisher war nur von Halim Shahs Söhnen die Rede, doch er brachte während
seines Gastspiels in Europa auch wunderschöne Stuten. Viele seiner Töchter sind
heute hochgeschätzte Zuchtstuten in bedeutenden Gestüten.
- Aisha (a.d. Ghazala) wurde mit Hengstfohlen Safir (von Salaa El Dine)
nach Qatar exportiert.
Safir ist heute einer der einflussreichsten Repräsentanten dieser Hengstlinie
in Qatar.
- Baghdady (a.d. Bushra) brachte mit Ibn Shah Mabrouk einen goldprämierten Sohn.
- Bint Amal (a.d. Amal) gewann Championate in den USA, wurde später nach Qatar
exportiert, wo
sie mit RN Ajeeba (v. Ruminaja Ali) und Al Mansoura Al Rayyan (v. Alidaar)
erfolgreiche Nachzucht
brachte.
- Kamla II (a.d. Mona IIII) ist die Mutter bzw. Großmutter der bereits oben
erwähnten Hengste
El Thay Khemal Pasha und El Thay Mashour und der Nationalen Junioren-Championesse
El Thay Kamla.
- Tamria II (a.d. 211 Zohair-2) gezogen in Babolna. Eine extrem typvolle Stute,
die 1992 nach
Deutschland kam. In Babolna blieb ihr Sohn Teyzir B (von Magdan), ein auf
internationalen
Schauen erfolgreicher Hengst. Ein Sohn und eine Tochter wurden inzwischen
nach Ägypten
exportiert. In Deutschland wurde ein Sohn eingetragen.
Nachdem Halim Shah 1985 nach Amerika zurückkehrte, wurde es stiller um ihn.
Im eigenen Land blieb ihm eine Anerkennung wie in Europa letztendlich versagt,
denn in den USA zählten nur die Attribute, die sich im Schauring vermarkten
ließen: Ein extrem langer Hals und Größe. Seine Züchterin Judith Forbis ließ
sich selbstverständlich nicht beirren und setzte ihn auf breiter Basis ein.
So verfügte sie bald über eine Anzahl erstklassiger Zuchtstuten von Halim Shah,
die insbesondere mit Prince Fa Moniet überdurchschnittliche Fohlen lieferten.
Als Beispiel mag der klassisch schöne Ansata Sinan (Prince Fa Moniet x Ansata
Nefara v. Halim Shah) dienen, der in den USA und Europa gleichermaßen auf Schauen
brillierte und in Europa mehrere eingetragene, erfolgreiche Söhne hinterließ.
Mancher Züchter mag angesichts der guten Sinan-Fohlen bedauern, dass er die
kurze Zeit nicht nutzte, bevor der Hengst wieder in die USA ging.
Die Nachfrage nach Halim Shah-Nachkommen war in Europa ungebrochen, viele seiner
Fohlen wurden importiert. So kamen die Vollgeschwister Dalia Halim, Dalima Shah
und Dalishah (aus der AK Bint Dalia II) Mitte der neunziger Jahre nach Deutschland.
Dalia Halim wurde z.B. Siegerhengst der Verbandshengstschau im Herbst 1994,
Sieger von 120 Hengsten! Dalima Shah wurde „Ägypterin des Jahres 1999“ und brachte
mit der Nationalen Junioren-Res.-Championesse Shadwanah (v. Classic Shadwan)
vielversprechende Nachzucht. Mit „Gold“ wurde ebenfalls El Ahhim Shah (a.d.
AK Athea) ausgezeichnet, der seit 1997 in Deutschland steht. Seine Tochter Nadirah
El Shah (a.d. AK Nawaal) wurde beim Deutschen Nationalen Championat im Jahr
2000 Junioren-Res.-Championesse.
Im März 1994 wurde Ansata Halim Shah verkauft. Zusammen
mit ausgewählten Stuten wechselte er in das Gestüt Al Shaqab im Besitz des Emirs
von Qatar, der sich allerdings nur kurze Zeit an seinem Kronjuwel freuen konnte.
Bereits fünf Monate später musste er Abschied nehmen. Halim Shahs
Vermächtnis in Qatar ist jedoch beachtlich. Sein Sohn Al Adeed Al Shaqab erweist
sich zunehmend als würdiger Nachfolger: Er ist nicht nur ein strahlend schöner
Hengst, der zuletzt das Senioren-Championat des 20.All Nations Cup und beim
Welt-Championat gewinnen konnte, er bestätigt sich auch als erfolgreicher Vererber.
Zwanzig Jahre nach Halim Shahs Gastspiel in Deutschland steht fest: Ansata
Halim Shah belohnte das in ihn gesetzte Vertrauen und beeinflusste die deutsche
(und internationale) Vollblutaraberzucht wie kein zweiter Hengst in der jüngeren
Vergangenheit.
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